Schlafapnoe – Wenn der Atem stockt

Atemaussetzer sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen (© VadimGuzhva – Fotolia)

Der Partner liegt in der anderen Betthälfte. Man hört die vertrauten Geräusche, das gleichmäßige Ein- und Ausatmen des Anderen, vielleicht sogar das ungeliebte Schnarchen. Doch dann tritt plötzlich Stille ein. Kein Schnarchen und auch kein Atemgeräusch sind mehr zu hören. Bis dann endlich wieder der Atem einsetzt. Dieses beunruhigende Szenario ist in deutschen Schlafzimmern gar nicht so selten. Dahinter verbirgt sich das Schlafapnoe-Syndrom.

Das Schlafapnoesyndrom – Definition und Formen

Das Schlafapnoe Syndrom (SAS) ist ein Beschwerdekomplex, dem Atemstillstände in der Nacht zugrunde liegen. Wie das normale Schnarchen auch gehört die Apnoe zu den schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS). Schätzungsweise sind rund fünf Prozent aller Menschen zwischen 30 und 60 Jahren von dem Syndrom betroffen. Man unterscheidet zwischen obstruktiven und zentralen Apnoen.

Die häufigste Form ist das OSAS, auch als obstruktives Schlafapnoe-Syndrom bekannt. Während des Schlafs entspannt sich hier die ringförmige Muskulatur der oberen Atemwege. Diese Muskulatur dient dazu, dem Unterdruck, der beim Einatmen entsteht, Widerstand entgegenzusetzen. Fällt dieser Widerstand durch die Entspannung der Muskulatur weg, fallen die oberen Teile der Atemwege zusammen. Durch die Erschlaffung des weichen Gaumens fällt zudem die Zunge zurück. Dadurch kommt es zu einem Verschluss (Obstruktion) der Luftwege und der Schlafende bekommt nur noch wenig oder gar keine Luft mehr. Diese Atemstillstände können bis zu zwei Minuten andauern. In der Folge fällt der Sauerstoffgehalt im Blut ab. Es entsteht eine sogenannte Hypoxämie mit einer Mangelversorgung des Gewebes. Um diesen gefährlichen Zustand zu beenden, kommt es zu einer Weckreaktion des Körpers. Man spricht hier auch von einem micro-arousal. Die Atmung setzt wieder ein und auf den Atemstillstand folgen mehrere tiefe Atemzüge. In der Regel bekommt der Betroffene von den Atemstillständen nichts mit und kann sich auch am nächsten Morgen an nichts erinnern. Allerdings wird durch die Apnoen die Schlafrhythmik gestört. Ein erholsamer Schlaf ist so nicht möglich. Auch für den Partner kann es sehr beunruhigend sein, wenn bis zu 100 Mal pro Nacht die Atmung des Bettnachbarn aussetzt.

Beim Upper Airway Resistance Syndrom (UARS) erschlaffen die Muskeln nur teilweise, sodass ein Teil der Atemwege noch offen gehalten wird. Es entstehen somit keine echten Atemstillständen, durch die Sauerstoffunterversorgung kommt es aber trotzdem zu Weckreaktionen des Körpers.

Eher selten ist das Zentrale Schlafapnoe-Syndrom (ZSA). Die Atemstillstände werden hier durch Schäden im Zentralnervensystem (ZNS) ausgelöst. Durch Störungen im Atemzentrum erinnert sich das Gehirn nicht daran, dass es atmen muss. Die zentrale Schlafapnoe ist in der Regel erblich bedingt, kann aber auch durch neurologische Schäden beispielsweise durch Borrelien oder Hirnhautentzündungen verursacht werden.

Ursachen und Risikofaktoren

Die obstruktive Form hat keine einzelnen Ursachen. Vielmehr gibt es verschiedene Risikofaktoren, die das Apnoe Syndrom begünstigen können. Hauptrisikofaktor ist Übergewicht. Rund 80 Prozent aller Patienten mit Schlafapnoe sind übergewichtig. Ein möglicher Grund ist, dass durch die Einlagerung von Fett in den oberen Atemwegen die Luftwege verengt werden. Polypen oder Verkrümmungen der Nasenscheidewand können die Nasenatmung behindern und so schnarchen oder Apnoen bedingen. Alkoholkonsum, Schlafmittel, Nikotin und auch Ecstasy gelten ebenfalls als Risikofaktoren. Auch angeborene Fehlstellungen und Fehlbildungen des Unterkiefers können zum Syndrom führen. Dasselbe gilt für eine Vergrößerung der Weichteile durch eine Akromegalie. Die zentrale Form der Schlafapnoe wird begünstigt durch Herzprobleme, Hirntumore, Medikamente für den Atemtrakt und den längerfristigen Aufenthalt in großen Höhen.

Die charakteristischen Symptome

Die Partner und Angehörigen von Schlafapnoe-Patienten berichten oft über sehr lautes Schnarchen, welches von einem Atemaussetzer im Schlaf unterbrochen wird. Die Atmung setzt dann mit einem heftigen Atemzug oder mit einem erneuten Schnarchlaut wieder ein. Doch nicht jeder Patient mit Schlafapnoe schnarcht und umgekehrt leidet auch nicht jeder schnarchende Mensch unter den Atemaussetzern.

Durch den gestörten Nachtschlaf kommt es zu einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit mit der Neigung einzuschlafen. Im schlimmsten Fall treten gefährliche Sekundenschlafattacke auf. Die Betroffenen fühlen sich direkt nach dem Aufstehen wie gerädert und überhaupt nicht erholt. Auch Schwindel und Kopfschmerzen nach dem Aufstehen sind typische Schlafapnoe Symptome. Nachts schwitzen die Patienten vermehrt und müssen auch häufig zur Toilette.

Die Folgen der unbehandelten Problematik

Durch eine unbehandelte obstruktive Form entstehen oft Folgeerkrankungen. Insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Rechtsherzinsuffizienz sind drastische Folgen der Schlafapnoe. Die Wahrscheinlichkeit, einem plötzlichen Herztod zu erliegen, ist bei Schlafapnoe-Patienten deutlich erhöht. Aktuellen Studien zufolge besteht eine Assoziation zwischen der Schlafapnoe und Herzerkrankungen, die einen Herzschrittmacher notwendig machen. Auch Depressionen, Hirnschäden, Magengeschwüre, Tinnitus und Hörsturz korrelieren mit der Erkrankung. Als Ursache wird hier der vermehrte Stress durch die Schlafstörungen vermutet. Zudem scheint ein Zusammenhang zwischen Diabetes mellitus Typ 2 und dem Schlafapnoesyndrom zu bestehen. Je mehr Atemstillstände pro Nacht auftreten, desto höher ist der Blutzuckerspiegel. Scheinbar erfolgt bei Apnoe-Patienten in der Nacht eine gesteigerte Gluconeogenese (Zuckerneubildung).

Krankheitsverlauf und Prognose

Die Schlafapnoe ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die in jedem Fall ärztlich behandelt werden muss. Bei einer unbehandelten Schlafapnoe erhöht sich die Sterblichkeit der Patienten drastisch. So verstirbt die Hälfte aller Betroffenen innerhalb von zehn Jahren. Die Schlafapnoe ist jedoch recht gut behandelbar. Die Prognosen einer behandelten Apnoe sind normalerweise gut.

Diagnosestellung

Die Betroffenen bringen meist eine typische Vorgeschichte mit Schnarchen, wenig erholsamem Nachtschlaf und Atemaussetzern mit. Die erste Diagnostik erfolgt dann durch ein Schlafdiagnostikscreening durch den HNO-Arzt oder Pneumologen. Hier werden mit speziellen Geräten, den Nicht-Labor-Monitoring-Systemen, Atemgeräusche, Sauerstoffsättigung im Blut, Herzfrequenzen und Atembewegungen des Brustkorbs während des Schlafes beim Patienten zu Hause gemessen. Ist das Schlafdiagnostikscreening auffällig, wird ein weiterer Schlafapnoe Test mittels Schlafapnoe Screening im Schlaflabor durchgeführt. Dort wird mit einer sogenannten Polysomnographie geklärt, ob die Schlafapnoe behandlungsbedürftig ist. Zur Polysomnographie gehören Aufzeichnungen von EEG, EKG, EOG (Elektrookulografie), EMG (Elektromyografie), Atemfluss und Sauerstoffsättigung. Auch Ton- und Videoaufzeichnungen können zum Einsatz kommen. Damit stellt die Polysomnographie die umfangreichste Untersuchung des Schlafes dar.

Therapie – Konservativ, operativ oder alternativ

Grundlagen der konservativen Behandlung sind je nach Schweregrad und Ursache die Gewichtsreduktion und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin. Auch eine Stärkung der Halsmuskulatur, beispielsweise durch das Musizieren mit Blasinstrumenten, kann bei leichten Formen der Schlafapnoe Verbesserungen bewirken.
Bei schwereren Krankheitsverläufen erfolgt die konservative Therapie meist mittels CPAP. CPAP-Atemgeräte verfügen über ein Gebläse, welches über einen Schlauch mit einer Schlafapnoe Maske in Verbindung steht. Die Patienten müssen diese Maske nachts tragen. Sie wird mit Kopfbändern fixiert, sodass sie nicht verrutschen kann. Mit der Maske wird während des Schlafs ein leichter Überdruck erzeugt, sodass das Kollabieren der Luftwege verhindert wird. Diese Therapie muss in der Regel lebenslang angewendet werden.
Bei Patienten mit leichten oder mittelgradigen Obstruktionen können sogenannte Unterkieferprotrusionsschienen eingesetzt werden. Diese werden auf die Zähne des Unterkiefers gesetzt und Verringern die Einengung des Rachenraumes. Eine andere Alternative ist ein nasopharyngealer Stent. Dabei wird der Rachenraum mechanisch geschient. So werden Erschlaffungen und Einsackungen der Rachenmuskulatur verhindert.

Nur in Ausnahmefällen erfolgt die Therapie des Schlafapnoe-Syndroms operativ. Große Gaumenmandeln und Hyperplasien des Gaumengewebes sind mögliche Indikationen. In der Regel erfolgt eine Vorverlegung des Ober- und Unterkiefers. Dadurch werden die oberen Atemwege erweitert. Da sich mit der Operation auch die Gesichtsform verändert, ist eine umfangreiche Aufklärung im Vorfeld unerlässlich.

Zur alternativen Behandlung gibt es Anti-Schnarch-Masken. Dabei handelt es sich meist um Bänder oder Schienen, die den Mund während des Schlafens verschlossen halten. Diese recht günstigen und nicht immer erfolgsversprechenden Alternativen sollten aber nicht mit den therapeutischen und in der Regel sehr wirkungsvollen Schlafapnoe Masken verwechselt werden. Auf dem Markt gibt es mittlerweile zahlreiche Meditationskurse, Anti-Schnarch-Kurse, Warngeräte oder Mischungen ätherischer Öle, die das Schnarchen und damit auch die Schlafapnoe verhindern sollen. Die Wirksamkeit der meisten Produkte und Methoden ist bisher allerdings nicht nachgewiesen.

Aktiv werden und selbst vorbeugen

Wie bereits erwähnt, sind 80 Prozent aller Patienten übergewichtig. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen die nächtlichen Atemaussetzer ist deshalb eine Gewichtsreduktion. Zudem sollte auf Alkohol und Nikotin verzichtet werden. Auch schwere Mahlzeiten unmittelbar vor dem Zubettgehen sollten gemieden werden. Eine gute Schlafhygiene, das heißt regelmäßige Schlaf- und Aufwachzeiten, sowie die Seitenlage beim Schlafen können dem gefürchteten Syndrom ebenfalls vorbeugen.