Flohsamen: Besser als jedes Abführmittel

Unscheinbar aber extrem gesund!

Wenn man zum ersten Mal von Flohsamen oder Flohsamenschalen hört fragt man sich vielleicht, wie die Samen zu ihrem Namen gekommen sind und wieso die Winzlinge so gut gegen Verstopfung helfen sollen. Mit diesen Fragen wollen wir uns im folgenden Beitrag beschäftigen und Tipps für die Anwendung und die richtige Menge geben. Außerdem werfen wir einen Blick auf die Inhaltsstoffe und aktuelle Studien um herauszufinden, ob der hippe Samen und seine Schalen auch wirklich so gesund sind, wie gerne behauptet wird.

Was sind Flohsamen und woher kommen sie?

Es handelt sich dabei nicht etwa um Samen aus denen Flöhe schlüpfen oder dergleichen. Zu diesem Namen sind sie einfach deshalb gekommen, weil sie aus der Distanz wie Flöhe aussehen. Zumindest ein bisschen. Mit viel Phantasie. Die Pflanze aus welchen sie hervorgehen nennt sich „indischer Wegerich“ oder einfach „indischer Flohsamen“. Die botanische Bezeichnung lautet „Plantago ovata“. Hierzulande kennt man den Spitzwegerich, eine krautige Pflanze mit Wuchshöhen von etwa 5 bis 50 Zentimeter, die ursprünglich nur in Europa beheimatet war, inzwischen aber weltweit verbreitet ist. Früher war der Spitzwegerich ein günstiger Salatersatz für ansonsten unerschwingliches oder nicht verfügbares Grünzeug. Wie der Namen bereits andeutet, sind die beiden Wegeriche sich tatsächlich relativ ähnlich. Aber zurück zum indischen Flohsamen. Es handelt sich bei ihm um eine einjährige Pflanze mit feiner Behaarung. Die Blätter sind eher dünn und die Blüten präsentieren sich in Ährenform. Die Samen selbst weisen eine ovale Form auf und reifen in kreisförmigen Kapseln. Die Farbpalette reicht von rose über gelb bis rot. Verbreitet ist der indische Wegerich wie der Name bereits vermuten lässt in Indien – aber auch in Asien und Nordafrika kennt man die Pflanze. Die Samen selbst sind knapp zwei bis drei Millimeter lang, oval und braun. Sie sind geschmacksneutral. Noch bedeutsamer als der Flohsamen selbst sind Flohsamenschalen. Der Samenkern ist besonders fett- und proteinreich, die Schale hat jedoch die höheren Quelleigenschaften um die es im Kern geht was die Wirkung anbelangt. Unterscheiden lassen sich Flohsamen (Psylii semen) von Indischen Flohsamen (Plantaginis ovatae semen ) und Indischen Flohsamenschalen (Plantaginis ovatae testa ).

Wie sie wirken und was die Einnahme bringt

Wenn man Flohsamen und Flohsamenschalen in Flüssigkeit gibt, beginnen sie aufzuquellen. Dabei wird eine Art Gel gebildet. Man spricht auch von Schleimstoffen. Samen und Schalen vervielfachen bei diesem Vorgang ihr Gewicht um ein Vielfaches. Dieses Prinzip lässt sich auch auf den Darm übertragen. Auch hier binden sie Flüssigkeit und können so als Bindemittel gegen Durchfall, sowie Verstopfungen helfen und die Verdauung wirkungsvoll unterstützen. Da sowohl Samen als auch Schalen Flüssigkeit binden ist es wichtig, entsprechend viel zu trinken während der Einnahme. Der Schleim wird hauptsächlich in den Schalen gebildet und besteht aus langen Kohlenhydratketten die auch als Polysaccharide bezeichnet werden. Da nur ein kleiner Teil der Flohsamen verdaut wird und der größere Teil wieder ausgeschieden wird, hat man mit ihnen eine gesunde Ballaststoffquelle. Eine ähnliche Wirkung entfalten auch Leinsamen und Chiasamen.

Anwendung

Flohsamenschalen gibt man am besten mit etwas Wasser in ein Glas und lässt sie eine Zeit lang quellen. Auch Säfte kann man verwenden um das Ganze geschmacklich etwas aufzupeppen. Joghurts und Quarks eignen sich aufgrund des hohen Flüssigkeitsgehalts ebenfalls für die Einnahme. Die Einnahme sollte auf keinen Fall mit Milch erfolgen, da diese den Quellprozess behindern kann. Die Wirkung einiger Medikamente könnte durch den entstehenden Schleim beeinflusst werden weshalb besser drei oder mehr Stunden zwischen der Einnahme liegen sollten. Die Flüssigkeitszufuhr sollte zudem über den ganzen Tag hoch ausfallen. Ob Wasser, Säfte oder Tee, am besten man führt mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit zu, damit die Flohsamen sich nicht an irgend einer Stelle im Darm festsetzen und dort für Beschwerden sorgen können. Nebenwirkungen hat das Naturprodukt kaum. In seltenen Fällen kann es nach der Einnahme aber zu Blähungen oder Krämpfen kommen, bis der Körper sich an die ballaststoffreichen Samen gewöhnt hat. Beim Auftreten von Nebenwirkungen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Vorsicht ist außerdem bei Verengungen im Darm oder einem Darmverschluss geboten sein. Auch hier sollte man sich von einem Arzt beraten lassen und genau abwägen, ob eine Einnahme sinnvoll ist.

Helfen die wirklich gegen Verstopfung und Durchfall?

Eine Wirkung sollte innerhalb von einem halben Tag bis drei Tagen eintreten. Im Darm quellen Flohsamen mit Flüssigkeit und das Darmvolumen wird dadurch vergrößert. Dies sorgt wiederum für einen Dehnungsreiz, der im Idealfall die Darmpassage beschleunigt und zeitnah den Stuhlgang einleitet, welcher eine weiche und gleitfähige Konsistenz haben sollte. Die abführende Wirkung wird durch den gelartigen Schleim unterstützt der ähnlich wie ein Gleitmittel wirkt und gleichzeitig eine Art Schutzfilm bildet die sich über entzündete Stellen im Darm legt. Auch beim abführen von Schadstoffen helfen die Schalen.

Dosierung: Die richtige Menge

Die optimale Menge liegt etwa zwischen 10 und 40 Gramm bei Flohsamen und circa bei der Hälfte bei Flohsamenschalen – hier sind es etwa 5 bis 20 Gramm.

Wer sie nicht einnehmen sollte

Bei Kindern wird von der Einnahme abgeraten.

STUDIEN

1. An der Studie nahmen 275 Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren teil die alle am Reizdarmsyndrom litten. In einem Zeitraum von 12 Wochen erhielten sie entweder eine Behandlung / Präparat bestehend aus 10 Gramm Flohsamen, 10 Gramm Kleie oder einem 10 Gramm Placebo (rice flour).

Zur Studie

Inhaltsstoffe, Nährwerte & Kalorien

Diese Nährstoffe sind in 100 Gramm und einer Portion (5 Gramm) enthalten:

Pro 100 Gramm

Flohsamen

Flohsamenschalen

Flohsamenmehl

Leinsamen

Chiasamen

Brennwert

21 kcal (90 kJ)

186 kcal

170 kcal

488 kcal (2042 kJ)

486 kcal

Protein

2,4 Gramm

1,6 g

~ 3 Gramm

22,3 g

17 g

Kohlenhydrate

1,7 Gramm

2 g

~ 2,5 Gramm

7,7 g

42 g

Fett

0,6 Gramm

1,6 g

0,5 Gramm

36,5 g

31 g

Ballaststoffe

84 Gramm

85 g

~ 85 Gramm

22,7 g

34 g